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Michaela Moscouw

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Pikturale Faibles. Variationen zu neueren Fotoarbeiten

>21.04.–27.05.1988

Michaela Moscouw beschäftigt das Verhältnis von Verbalem und Nonverbalen, oder die (Un)Möglichkeit einer Analogie zwischen Sprache und Bild. In der Serie »Wolga« gibt sie ihrem Vergnügen am Bildlichen und bestimmten Formen der Musik Ausdruck: Die zwölf großformatigen Schwarzweißfotografien, die sowohl seriell als auch als Einzelbild konzipiert sind, stellen den Versuch einer visuellen Beschreibung einzelner Stationen aus einem Tagesablauf im Waldviertel dar. Der Titel evoziert Programmmusik; verstärkt wird die musikalische Intention durch das Einkopieren von Noten selbst, die Ausschnitte von Renaissance-Notenblättern sind. Die musikalischen Momente korrespondieren – gewissermaßen synthetisch – mit den fotografischen: den der Musik zugeschriebenen Attribute wie impressionistisch, emotional etc. wird visuell durch die Flüchtigkeit, Vagheit etc. der fotografischen Herausbildung entsprochen.
Die vertikalen Triptychen einer winterlichen Wanderung in »Beethoven-Gang« legen durch ihren intensiven schwarz-weiß Kontrast Analogien zur Klaviermusik Beethovens nahe.
In »Perfect Happiness« ironisiert sie mit fotografischer Subversität die Freude am Biertrinken. Wie bestimmend das Reisen (die Bewegung) in Moscouws Arbeit ist, zeigt sich in der dreiteiligen Serie »Ihr Zugbegleiter«, in dem sie den Zug-Takt, die Bewegung mittels Kadenz-Zwischenräumen (halbes Bild – ganzes Bild – halbes Bild) piktural nachbildet.
aus: Carl Aigner, FOTOHOF Info, Ausgabe 1+2/1988