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Bodo Hell

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Stadtschrift

>27.03.–18.05.2013
Installationsansicht, Bodo Hell, »Stadtschrift«, 2013, © FOTOHOF

In seinem Buch »Stadtschrift«, 1983 in der Linzer »edition neue texte« erschienen, verfasst der Schriftsteller und Fotograf Bodo Hell ein fotografisches Stück mittels Textfragmenten, die sich in die fragile Architektur Wiens eingeschrieben haben. Mit dem Begriff »Stadtschrift« assoziieren wir heute meist die visuelle Reizüberflutung in Großstädten, Bilder vom Times Square oder Piccadilly Circus werden wach. Bodo Hells Beschriftungen an Wiener Hauswänden und Auslagen wirken dagegen sparsam. Oft sind es nur einzelne Wörter, aber immer mit knappem Ausschnitt und nur so wenig Umgebung, dass ein Rückschluss auf die Art des Hauses oder gar der genaue Ort fast unmöglich sind. Auch eine andere Erwartung wird in den Bildern enttäuscht: statt unzähliger Markennamen und Werbebotschaften, wie wir sie heute in den Städten gewohnt sind, finden sich fast nur Wörter, die auch jenseits der Marken- und Konsumwelt eine Bedeutung haben. So bietet der Text eines jeden Bildes auch eine allgemeine Symbolik oder Bedeutung an. Selbst Firmennamen wie »Lang« oder »Lose« weisen über ihre unmittelbare Funktion hinaus. Es entsteht eine fast magische Welt der Wörter; vertieft man sich in die Betrachtung der Bilder, so könnte man versucht sein, diesen Texten eine geheime Botschaft, einen Code, zu entnehmen.

Bodo Hell, aus der Serie: »Stadtschrift«, SW Fotografien o. J, Fotosammlung des Bundes / Österreichische, Fotogalerie / Museum der Moderne Salzburg

Wie man es von einem Schriftsteller erwarten kann, stellt er den Text in den Mittelpunkt. Und es ist auch in erster Linie der Wortwitz eines »Alpha« und »Omega«, der »Manna Konserven« und der »Wolle Wolle Wolle«, »Felle Felle Felle«, die dem Betrachter ins Auge springen. Den größeren Zusammenhang lässt Bodo Hell im Ungewissen; aber gerade auch deswegen prägen sich diese Stadtschriften auch als Bilder ein. Es sind reduzierte Schwarzweißaufnahmen, die in ihrer Schriftform ihre Zeit und ihre Geschichte enthüllen. Auch zum Zeitpunkt der Aufnahme in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts waren diese Schriften schon nostalgisch, zeigen vergessene und daher bleibende Zeichen in einer gewandelten Welt. Fast ist man an römische Inschriften erinnert, die sich nur durch die Kenntnis der Geschichte verstehen lassen.
In diesem Changieren zwischen Text und Bild zeigt sich auch die wahre Könnerschaft Bodo Hells. Die Schriften der Stadt sind ein weit verbreitetes Motiv der Fotografie. Sie symbolisieren meist die Informationsdichte, mit der der Betrachter in der Stadt konfrontiert ist, sie zeigen in ihrer Fülle die Überdeckung und Zerstörung der Architektur und des Stadtraums und sie zeigen die Fülle der Werbebotschaften, denen die Stadtbewohner ausgesetzt sind. Um den Inhalt der Texte kümmern sich diese Fotografen zumeist nicht. Genau hier setzt der Schriftsteller Bodo Hell an und führt uns die Texte im Bild wie kostbare, nach langer Suche gefundene Inschriften vor. Und tatsächlich, die Wörter sprechen zu uns, entfalten einen literarischen oder zumindest sprachlichen Assoziationsraum und reihen sich so wie zufällig in das literarische Schaffen von Bodo Hell ein, der immer wieder »gefundene« Wörter und Texte in den breiten Assoziationsraum seiner Texte einbaut. Eine literarische Arbeit mit fotografischen Mitteln – eine Fotoserie über Textfindungen des Alltags.