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Simon Lehner

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To Cut A Blind Spot

>27.04.–18.06.2021
Installationsansicht, Simon Lehner, »To Cut A Blind Spot«, 2021, © Rainer Iglar

Simon Lehners Arbeiten haben ihren Kern meist in einem autobiografischen Zusammenhang. Die Fotografie, immer schon faszinierend in ihrer Fähigkeit Vergangenenes in Bildern aufzubewahren und für spätere Entschlüsselungen bereit zu halten, entwickelt sich in seinen bildmäßigen, filmischen aber auch skulpturalen Arbeiten auch durch den Einsatz neuester technologischer Möglichkeiten in einen erweiterten emotional stark aufgeladenen Raum. Er erweitert den üblichen Abbildungsprozess des Mediums immer wieder durch auch technisch sehr avancierte Simulationen, die aber immer von realen Fotografien ausgehen. Lehner interessiert durch eine Weiterführung fotografischer Prozesse auch der heute immer aktueller werdende Grenzbereich zwischen generierten und linsenbasierten Fotografien.

How far is a light-year?

Durch die Einbindung seines persönlichen Archivs entstehen Arbeiten aus und mit der Erinnerung. Seine Werkgruppen reflektieren auf sehr zeitgemäße Weise die heutigen medialen Bedingungen der Fotografie und zeichnen sich durch starke emotionale Ebenen aus. »How far is a light-year?« (2005−2019) dreht sich um Vaterschaft und die Überbrückung von persönlicher Distanz durch das Medium der Fotografie. Die Serie verwendet eine selbst entwickelte 3D-Rendering Methode, mit der Lehner anhand von rund 50 Fotografien, die er als 9-Jähriger aufgenommen hat, seinen Vater, der die Familie verlassen hat, rekonstruierte.
»Die Serie zeigt meinen Versuch ein Porträt ohne physischen Kontakt zu erstellen. Sie wächst aus einer kindlichen Sehnsucht meinen Vater im digitalen Raum greifbar zu machen und deutet auf eine emotionale sowie körperliche Distanz. Der Titel geht auf eine Frage zurück, die ich meinem Vater 2005 stellte, und dient als Referenz an die vergangene Zeit, seitdem er die Familie verlassen hat und an das Medium der Fotografie an sich.«

Simon Lehner, aus der Serie: »How far is a light-year?«, 2019
Simon Lehner, aus der Serie: »How far is a light-year?«, 2019

The mind is a voice, the voice is blind

»The mind is a voice, the voice is blind« untersucht den kognitiven Dialog zwischen Erinnerungen und dem Bewusstsein. Ausgehend von persönlichen Erfahrungen verhandelt die Arbeit über häusliche und emotionale Gewalt und daraus folgende Traumata. Die Arbeit ist als Serie strukturiert und als Ausstellung konzipiert. Sie kombiniert verschiedene Medien, wobei diese sich aus diversen Be- und Verarbeitungen von fotografischem Ausgangsmaterial entwickeln.
Die Werkgruppe umfasst bildbasierte Skulpturen, Fotografien und linsenbasierten 3D-Animations Videos − diese Werke wurden aus dem persönlichen Archiv durch verschiedene digitale Rekonstruktionsmethoden generiert und referenzieren ein Muster an traumatischen Erinnerungen. Dieser Ansatz, sein bereits vorhandenes persönliches Archiv einzubeziehen, bildet eine Art »Work from memory« − eine Arbeit mit und aus dem Gedächtnis.
Durch die Abwandlungen der fotografischen Prozesse, wie der Entwicklung eines 3D- animierten Alter Egos oder der Generierung des Kinderzimmers anhand des vorhandenen Archivmaterials, versucht der Künstler gelebte Erfahrungen und Traumata greifbar zu machen und markiert gleichzeitig einen Versuch eine Formsprache zu entwickeln, in der das Medium selbst eine emotionale Ebene bildet.

Simon Lehner, aus der Serie: The mind is a voice, the voice is blind?, 2020
Simon Lehner, aus der Serie: The mind is a voice, the voice is blind?, 2020