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Herwig Kempinger

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Troubled Walls

>19.05.–30.06.1995

Von Licht und Farbe zum Raum

Herwig Kempinger arbeitet mit Kamera und Computer an einer Neudefinition der Begriffe Malerei, Skulptur und Fotografie im virtuellen, immateriellen Raum. Seine künstlerische Methode definiert sich über die Fotografie nicht als Idee ihrer dokumentarischen Qualitäten, sondern als absolute Realität, in der die einzige Gegenwart das Bild selbst ist. Es entsteht in einer von Objekten radikal entleerten Zone und eliminiert jeglichen Hinweis auf kodifizierbare Fakten. Die unter Acrylglas versiegelten Fotobilder thematisieren das Verschwinden des Objekts und die Auflösung traditioneller Wahrnehmungskategorien. Der zentrale Gegenstand des Interesses ist der durch Licht definierte Raum.
Die Arbeiten interagieren im Spannungsfeld von flachem Bild und/oder räumlichen Objekt, weder suggerieren sie irgendein Material, noch sind sie illusionistisch. Tiefe definiert sich nicht durch Perspektive, sondern durch Licht und Farbe. Das Raumvolumen und seine Ausdehnung hinter spiegelglatten, kalten Oberflächen ist unbestimmt und grenzenlos. Der Konflikt von medialem und realem Raum wird im zweidimensionalen Feld ausgetragen, ein ambivalenter Zustand hergestellt, der räumliche Erfahrung wieder in Fläche umschlagen läßt.
Die transformatorische Kapazität des reflektierenden Acrylglases wird vor allem in den Installationen exakt kalkuliert und eingesetzt, und verdeutlicht im architektonischen Kontext Kempingers radikale Strategien der Veränderung von Wahrnehmungskategorien. Die visuellen Vorgaben sind simpel: Lichtstudien, Modulationen von Lichtintensitäten, Verläufe von hell nach dunkel, von dunkel nach hell, Flächen, die sich zerstreuen und endlos ausbreiten, ein täuschend einfaches Set. Ist der Einsatz der Mittel auch aufs äußerste reduziert, bleibt die Wirkung dennoch frappierend. Die flachen Fotoelemente stülpen im real-architektonischen Zusammenhang Räume von innen nach außen, spalten Wände, öffnen Ecken, erzeugen ein labiles Ungleichgewicht im scheinbar heilen white cube.
So geht es also nicht darum, was das Foto zeigt, sondern darum, was es in einem Raumkontext tut. Das ruhige, kontrollierte, unsentimental kühle Fotobild wird zu einem Katalysator der Raumveränderung, es entwickelt Energien, die räumliche Substanz auflösen. Die Wand wird dabei zum gleichwertigen Partner, sie ist so wichtig, wie das Foto selbst. Ihre Dimension konstituiert das erweiterte Feld, in dem die fotografierte Wahrnehmung zu einem dynamischen, optisch expandierenden Bild wird. Durch die kalkulierte Kombination von visuellen Fakten und Referenzen an eine künstliche Realität entwickelt Kempinger eine Ästhetik der Entmaterialisierung und der Transzendenz des Raums. (Brigitte Huck)