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Rupert Larl

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Überall ist Wunderland

>05.10.–02.11.1990

In einer Zeit, in der weltweit jährlich rund 45 Milliarden Fotos aufgenommen werden, stellt sich für Fotokünstler:innen die Frage nach dem Sinn weiterer Bildproduktionen. Fotorecycling als zeitgemäße Form künstlerischer Bildfindung ist die ideologische Basis des Tiroler Fotografen Rupert Larl. In einer Übergangsphase vom konventionellen, analog aufgezeichneten Fotobild hin zur Digitalisierung bearbeitet der Fotograf seine wie auch Fotofundstücke mit dem Farbkopierer. Wichtigster Eingriff ist die Selektion aus diesen Bildwelten, die durch die digitale Transformation des Farbkopierprozesses ihrer ursprünglichen Authentizität beraubt und durch Ausschnitt und Wahl beliebiger Vergrößerung in einem neuen Kontext auf der Galeriewand zueinander finden. Die vielfältigsten Aspekte menschlicher Existenz, Larl’s »kleine Extasen«, inszenieren sich wie von selbst im Gebrauch der Trivialfotografie und sind Ausgangsmaterial für das Archiv seines Wunderlandes. So werden auch vermeintliche Bildfehler auf Amateurfotos oder ein vorbelichteter Filmanfang, der einen Teil der Ansicht auf Biarritz überstrahlt, oder der typische Blick auf den Dogenpalast beim ersten Venedigbesuch ebenso verwertet. Subtiler Humor findet sich allemal in Rupert Larl’s Bildern; sie stellen den Versuch dar, Vulgarität geradezu wundersam in Poesie zu verwandeln.