Michaela Moscouw
Das seit den frühen 1980er-Jahren entstandene Werk der österreichischen Künstlerin Michaela Moscouw gilt als von zeitlichen Strömungen unbeeinflusst und radikal eigenständig. Auch im Blick auf die im FOTOHOF>ARCHIV vorhandenen Teile ihres Schaffens wird eine überraschende und aus konservatorischer Sicht eigenartige Gemengelage deutlich. Die während eines Arbeitsaufenthalts in Salzburg entstandene Werkgruppe »Aus der präparierten Dunkelkammer« (2016) wurde zunächst in die Sammlung des FOTOHOF>ARCHIV eingegliedert, später jedoch von der Künstlerin zur Weiterverarbeitung erneut beansprucht. Gemeinsam mit anderen Teilen ihres fotografischen Werks wurde sie zu sogenannten »Pizzen« (2019) umgeformt. Auf diesen Scheibenwelten von jeweils 160 cm Durchmesser treffen Michaela Moscouws Arbeiten der vergangenen drei bis vier Jahrzehnte auf Abbildungen aus der Publikation »Wien und ein Blick in die Alpengaue« (1941). In der Verklebung, Vermengung und Überlagerung der Bilder öffnet sich ein weites Feld provokant-politischer, vielleicht sarkastischer, sicher aber völlig uneindeutiger Lesarten. Im papierenen Teig der Pizza vollziehen sich bildhafte Umwälzungen, deren Motor nicht von der Lust auf klare Aussagen betrieben wird. Ihre enorme Energie scheint vielmehr von einem durchaus totalen Vorgang der Verdichtung herzurühren, freigesetzt durch den malträtierenden Zugriff der Künstlerin auf ihre Bilder.

