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Agnes Prammer, Johann Schoiswohl

Totes Gebirge

 38,00

„Totes Gebirge“ ist als künstlerisches Langzeitprojekt von Agnes Prammer und Johann Schoiswohl zu verstehen, das sich im Zusammenführen von zwei eigenständigen fotografischen Weisen auch mit dem Sterben und Trauern befasst. In ihrer Auffassung von Landschaft und Porträt verbindet beide das Insistieren auf bewusste Verlangsamung des fotografischen Abbildungsprozesses als künstlerisches Credo.
Agnes Prammer, bildende Künstlerin und Medienpädagogin in Wien, entscheidet sich in ihren Porträtarbeiten für das aus der Frühzeit der Fotografie stammende Kollodium-Nassplattenverfahren. Hierbei wird eine Glasplatte vor der Belichtung in einer mobilen Dunkelkammer mit einer lichtempfindlichen Schicht präpariert, um nach dem Auslösen noch im feuchten Zustand entwickelt zu werden. Zu den optisch getreuen, geradezu wie versteinert wirkenden Porträtstudien, die langen Belichtungszeiten verlangen vom Gegenüber ein Höchstmaß an Konzentration, gesellen sich durch den fragilen Prozess mechanische und chemische Spuren in Form von Kratzern und blinden Flecken. Diese zufälligen Einschreibungen, die die dargestellten Personen auch partiell verdecken, evozieren durch ihre vermeintliche Patina ein Gefühl von einem „Memento mori“ (Susan Sonntag) oder gar von einer Art „Einbalsamierung“ (Roland Barthes). Dies kommt dem ästhetischen Bildkonzept der Künstlerin entgegen, die Dargestellten nicht ausschließlich als Individuen zu zeigen, sondern vielmehr als Modelle und Platzhalter für andere.
Für Johann Schoiswohl, bildender Künstler in Wien und Betreiber einer kleinen Landwirtschaft im oberösterreichischen Almtal, ist die angestammte Heimat Ausgangspunkt für seine Expeditionen ins Tote Gebirge. Wie er in eigenen Worten ausdrückt, geht es ihm um Orte der Erinnerung. “In den Fotos von vertrauten Plätzen und Blicken, die aber bei mir auch mit Gedanken zu Tod und Verlust verbunden sind, entsteht mein Bild vom Toten Gebirge.“ (Schoiswohl)
So entstanden seit 2010 zahlreiche Bildwerke mithilfe der analogen Mittel- und Großformatkamera mit bis zu 20x25cm großem Farbnegativfilm. Seine präzisen Bildausschnitte legen die Oberflächen von zerklüfteten Gebirgsformationen der alpinen Karstlandschaft frei und wechseln sich ab mit atmosphärischen Seestücken im Spiel des Lichts und Wechsel der Jahreszeiten. Die „sezierten“ Oberflächen (surfaces) der Landschaft versinnbilden diese gleichsam als Gesichter (faces), denen Spuren des Vergänglichen bzw. des Alterns eingeschrieben sind. Und umgekehrt können Prammers Porträts ebenso als Landschaften gelesen werden. Denn beide Künstler:innen verstehen das jeweils verhandelte Genre als eine Art Metapher.

Agnes Prammer, *1984 in Wien; lebt und arbeitet in Wien.
Johann Schoiswohl, *1979 in Wels; lebt und arbeitet in Wien.

2024,Softcover
30 × 22.5 cm,108 Seiten
33 Farbabbildungen
23 S/W-Abbildungen
Text: Sandra Gugić, Stephen Zepke

Sprache: Deutsch, Englisch

Design: Christine Zmölnig
FOTOHOF>EDITION Bd.: 374
ISBN: 978-3-903334-74-8

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