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Otto Beck, Ernst Len, Margret Litzlbauer

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Erweiterte Fotografie 1: Arbeiten mit Fotografie

>27.02.–28.03.1986

Unter allen Medien wird am meisten der Fotografie dokumentarischer Wert zugeschrieben. Dem Kamerabild eignet sozusagen höchste Beweiskraft. Die Geschichte der Fotografie ist aber auch eine Geschichte gescheiterter Ansprüche, raffinierter Alibis, ihre Großereignisse sind gerade die kolossalen Täuschungen und Irrtümer, zu denen sich die militantesten Realisten verstiegen haben. Das Mißtrauen gegenüber der Eindimensionalität des breiten Fotoverständnisses, gegenüber der scheinbaren Omnipotent der Medienherrscherin Fotografie ist das Leitthema dieser Ausstellung, es geht um polemische Positionen, extreme Überlegungen, die von nur episodische mit Fotografie arbeitenden, malenden, zeichnenden, objektmachenden Künstler:innen angestellt werden.

 

Margret Litzlbauer

Die Künstlerin empfindet die Arbeit mit der Kamera als Scheingefecht mit nicht realisierbaren Inhalten. Je intensiver, aber auf spielerische Weise, sie der Ästhetik der Fotografie auf der Spur war, desto deutlicher wurde ihr die Doppelgesichtigkeit des Mediums bewusst. Am Ende des schmerzlichen Prozesses stand für sie die Leere des fotografischen Bildes, die verlogenene Vorgabe von Bedeutsamkeiten. Margret Litzlbauer nivelliert das Realitätsgefälle zwischen Natur und Darstellung, sie entlarvt das obszöne Nachäffen alles Fotografischen, die Spiegelfunktion des Fotos, die das menschliche Gesicht nicht begreift, an seiner Stelle eine unerträgliche Lüge erzählt.

Ernst Len

Die Angriffslust des Fotografischen hat Ernst Len in seinen Arbeiten mit Polaroid entdeckt und sich ihm bedingungslos ausgeliefert. Die Sofortbild-Kamera treibt die Eigenschaften beziehungsweise die Nichteigenschaften des Fotografischen auf die Spitze. Das Polaroid-Bild ist jedermanns Notizblock des Allerprivatesten. Das Allerlebendigste / das Allertrivialste explodiert vor dem lustvoll geweiteten Objektiv, der Hunger nach Leben der Sofortbild-Kamera ist unermesslich, er reisst die letzten Barrieren der Zurückhaltung / des Kunstbewusstseins bei den Knipsenden ein, das Geknipse lässt alle Scham, alles Sichzurechtrücken, Inszenesetzen sausen. Das Polaroid »pornografiert« sowohl das Subjekt als auch das Objekt.

Otto Beck

Otto Beck erweitert die ästhetische Diskussion des Fotografischen um eine Dimension. Durch das Element der Bewegung, irrationaler Räumlichkeiten, des wechselnden Bildschnitts, der Subjektivieren des Bildschnitts hat der Film die Aspekte des Scheinhaften, des Wirklichkeitsautoritären, der Welt-Zerstückelung/-Ausbeutung noch gesteigert. Mit seiner Installation von laufenden Projektoren zieht er gleichsam eine Summe der versteckten Misstrauensanträge gegen das bewegte Lichtbild. Die vereinigte Front der Projektoren wirft ihre Bilder auf ein leicht bewegtes Segel, die Endlos-Schleifen der Filme reproduzieren immer wieder einen gleichbleibenden Vorgang, dessen Bewegtheit durch die permanente Wiederholung schließlich von den Betrachtenden nicht mehr erkannt wird. Die zerschnittene collagierte Welt erstarrt zur Nicht-Existens, zum leeren, bedeutungs-bewegungsfreien Gesamtbild, zur nihilistischen End-Summe.
aus: Anton Gugg, FOTOHOF Info, Ausgabe 1/1986