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Mafalda Rakoš

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It’s Yours, It’s Mine: Seven Relationals Portraits

>07.08.–24.09.2026

Mit »It’s Yours, It’s Mine: Seven Relational Portraits« gibt der FOTOHOF Einblick in das Werk der österreichischen Fotografin Mafalda Rakoš. Im Fokus ihrer zumeist über lange Zeiträume realisierten Projekte stehen Fragen, die sich aus einem gleichermaßen fotografisch dokumentierenden wie anthropologisch forschenden Blick auf die Welt ergeben. Das Porträt bildet dabei den stets wiederkehrenden ästhetischen und medialen Ausgangspunkt für künstlerische Versuchsanordnungen, welche die Möglichkeiten erkunden, mithilfe fotografischer Mittel komplexe gesellschaftliche Diskurse zu führen. Das Bild des/der Anderen entsteht bei Mafalda Rakoš in einer Erweiterung der Perspektive. Im Dialog mit ihren Protagonistinnen und Co-Autorinnen überwindet sie die literarische, wissenschaftliche und künstlerische Tradition der Ich-Erzählung. Der sich entfaltende kollaborative Prozess lässt Elemente aus Dokumentation, Kunsttherapie, Performance und anthropologischer Forschung mit dem Ziel aufeinandertreffen, etwas nicht Greifbares – die Gedanken und Gefühle von Frauen* und nichtbinären Menschen – vor dem Hintergrund größerer systemischer, ökonomischer oder historischer Zusammenhänge ins (erweiterte) Bild zu setzen.
Dieser Arbeitsweise liegt eine Vorstellung von Fotografie zugrunde, die ihre Bedeutung nicht allein aus einer monoperspektivischen Darstellung bestimmter sozialer, politischer, ökonomischer Wirklichkeiten schöpft. Mafalda Rakoš’ Bilder sind nicht die Endpunkte einer dokumentarischen Praxis, sondern können als visuelle Verdichtungen jener Beziehungen gelten, die sich zwischen der Fotografin, ihren Protagonistinnen und letztlich auch ihrem Publikum entfalten.
In »The Civil Contract of Photography« (2008) versteht Ariella Azoulay die Fotografie nicht mehr nur als Produktionsmittel abgeschlossener Bilder, sondern sozialer Verhältnisse, die Fotograf:in, fotografierte Person und Betrachter:in gleichermaßen miteinschließen. Bedeutung entsteht nicht allein im Akt des Fotografierens, sondern in einem Netzwerk gegenseitiger Rechte, Erwartungen und Verantwortlichkeiten. Fotografien produzieren demnach stets ein Geflecht von gesellschaftlichen Beziehungen, aus denen sich für alle Beteiligten ethische und politische Verantwortungen ergeben. Diese Perspektive verschiebt den Fokus von der Frage, was ein Bild zeigt, darauf, wie Beziehungen durch das Fotografieren entstehen und welche Formen der Teilhabe oder der Exklusion dadurch generiert werden.
Hier lässt sich auch die fotografische Praxis von Mafalda Rakoš verorten. In ihren Arbeiten wird die Kamera nicht zum Instrument der Aneignung, sondern des sozialen Interesses und subtilen politischen Kommentars. Sie schafft Räume, welche der Begegnung, dem Dialog und der gemeinsamen Urheberinnenschaft vor dem Hintergrund gesellschaftspolitischer Ungerechtigkeiten gewidmet sind. Diese Räume gehören den Frauen* und nichtbinären Personen – Freund:innen, Fremden, Schwestern der Künstlerin –, die mit jeweils unterschiedlichen Voraussetzungen und Mitteln den Kampf gegen patriarchale Systeme aufgenommen haben und sich gemeinsam patriarchalen Logiken entziehen.
Die langfristigen Beziehungen, die diesen Arbeiten zugrunde liegen, widersprechen der Logik einer rein »entnehmenden« Bildproduktion, in der Menschen und »Stories« als konsumierbare Inhalte fungieren. Stattdessen sind ihre Arbeiten die Folge gemeinsam verbrachter Zeit, gegenseitigen Vertrauens und einer kontinuierlichen Auseinandersetzung aller Beteiligten mit den Bedingungen ihrer Entstehung selbst. Die Kamera dient hier nicht als Legitimation eines privilegierten Blicks, sondern als Anlass zum Dialog, dessen Ergebnisse nicht allein Bilder, sondern soziale Beziehungen darstellen. So wird die Fotografie bei Mafalda Rakoš zum Mittel einer relationalen Praxis, deren eigentliche Bedeutung und Sinn in den Prozessen der Kollaboration und des gemeinsam Sichtbarwerdens zu finden sind.

Daniela Romero Garduño, Finnja Willner, Luisa M. Zárate & Mafalda Rakoš, Zócalo, No al Abuso– No to Abuse, 2026, Thermoprint, Wasserfarbe, 20x25 cm
In Kooperation mit Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg