Margot Wallard
Oran
»Das Fotoprojekt »Oran« beginnt mit meiner Großmutter. Durch ihre Fotos, Briefe und Lebensfragmente kehrte ich an einen Ort zurück, den ich nie gekannt hatte, der mich aber dennoch innerlich prägte. Ihr Archiv wurde zum Ausgangspunkt – zu einem Weg, mich einer Geschichte zu nähern, die von Erinnerung, Abwesenheit und Weitergabe geprägt ist.«
Als Enkelin einer »Pied-Noir« (einer Bezeichnung der französischen Bevölkerung in Algerien während der gewaltvollen französischen Kolonialherrschaft 1830-1962) versucht Margot Wallard die Unbeständigkeit und Wandelbarkeit der Erinnerung widerzuspiegeln und sie durch eine neue Perspektive zu erweitern.
Bei ihren Besuchen in Oran zwischen 2018 und 2020 entdeckt sie die Stadt mit ihrer Kamera und trifft im Zuge ihrer biografischen Spurensuche auf eine neue Generation: präsent, komplex und selbstbestimmt. Dabei entstehen Porträtserien rund um das Bonbon Café, sie fotografiert Straßenszenen, urbane Vegetation und auch die noch immer unübersehbaren Spuren kolonialer Vergangenheit im Stadtbild.
Margot Wallard verwebt in ihrer Ausstellung das Bildarchiv ihrer Großmutter mit eigenen Bildern aus Algerien und mit Fotografien, die sie von ihrer Großmutter in ihren letzten Lebensjahren in Frankreich aufgenommen hat.
