Book Talk
Gespräche über neue Bücher in der FOTOHOF>EDITION
Eric Asamoah »Here, Nowhere Else«
In »Here, Nowhere Else« widmet sich Eric Asamoah den Boxern von Jamestown, Accra. Boxing erscheint dabei nicht nur als Sport, sondern als Metapher für das Leben selbst: für Resilienz, Verletzlichkeit und das ständige Ringen um Selbstbestimmung. Die Bilder sind zugleich persönlich und universell – geprägt von Nähe, Empathie und dem Mut, sich selbst zu zeigen. Das Buch entstand aus einem langen Dialog mit den Subjekten und spiegelt Asamoahs künstlerische Haltung wider.
Eric Asamoah, *1999 Linz, Österreich; lebt und arbeitet in Linz, Wien und Paris; im Gespräch mit Michael Mauracher.
Caroline Heider »Balance Studies«
»it’s a photoguide it’s a photobook it’s a pleasure it’s a need it’s private it’s public it’s political it’s cute it’s soft it’s hard facts it’s everyday it’s for everyone it’s beautiful it’s hardcore«
»Balance Studies. Fotografie für alle« ist ein konzeptionelles Fotobuch basierend auf einem Handbuchvorschlag von 1933 von Lucia Moholy. Sie war gezwungen zu emigrieren und konnte ihr Anleitungsbuch nicht fertigstellen. Mit dieser Publikation stellt Caroline Heider sich ausdrücklich in die lange Tradition von Anleitungen, in welchen Fotografinnen geraten wird, nicht nur Fotoapparat und Licht zu beherrschen, sondern vor allem die Bildgestaltung, also: Sie sollten Sehen lernen. Gleichzeitig bricht sie als weibliche Autorin mit der Tradition, da diese Art der Ratgeberliteratur fast ausschließlich mit einem männlichen Blick verfasst ist.
Caroline Heider, *1978 in München; lebt und arbeitet in Wien; im Gespräch mit Mateusz Dworczyk.
Michael Ponstingl »Sozialreportage als Medienspektakel«
»Durch die Wiener Quartiere des Elends und Verbrechens« von Emil Kläger und Hermann Drawe, 1905/1920
Beiträge zur Geschichte der Fotografie in Österreich, Band 24
Herausgegeben von Monika Faber für das Photoinstitut Bonartes, Wien, und Walter Moser für die Fotosammlung der Albertina, Wien.
Mit dem Lichtbildervortrag »Durch die Wiener Quartiere des Elends und Verbrechens« setzte das Volksbildungshaus Urania im Mai 1905 Maßstäbe: Es entstand eine der weltweit ersten Sozialreportagen, die auf die Macht der Fotografie vertraute. Der aufrüttelnde Text des Journalisten Emil Kläger und die drastischen Lichtbilder des Richters Hermann Drawe beleuchteten die Schattenseiten der Industrialisierung. Sie dokumentierten das Leben dort, wo das Bürgertum wegsah: in der Kanalisation, den Ziegelöfen und Massenquartieren. Die Reaktionen auf dieses Medienspektakel reichten von purer Sensationslust bis zu tiefer Betroffenheit. Mit der Präsentation von Fotoabzügen auf der »Allgemeinen Hygienischen Ausstellung« 1906 und der Buchveröffentlichung von 1908 verliehen die Autoren ihrem Anliegen in verschiedenen Medienformaten zusätzliches Gewicht. 1920 fand das Thema schließlich seinen Weg auf die Kinoleinwand – hochkarätig besetzt mit Stars des Burgtheaters.
Michael Ponstingl ist Fotohistoriker und Kurator am Photoinstitut Bonartes, Wien; im Gespräch mit Birgit Sattlecker.
Florian Rainer »Tagada«
Wenn das Riesenrad seinen abendlichen Schatten auf den Prater wirft, erwacht ein kleineres aber vielleicht sogar wichtigeres Rad zum Leben: das Tagada. Seit Jahrzehnten werden Teenager in seinen Bann gezogen. Sie suchen einen Ort der Eskapade und des Zusammenhalts. Florian Rainers Arbeit, die im Sommer 2020 fotografiert wurde, lebt von dieser Energie: sie erzählt die Geschichte Wiener Jugendlicher die ihre Sorgen und die Einschränkungen durch Corona vergessen wollen und dafür das Tagada als Treffpunkt auserwählt haben.
Das Tagada ist das einzige Fahrgeschäft im Prater, das Körperbeherrschung und Risikofreude erfordert. Verletzungen werden dabei als Teil des Spiels in Kauf genommen. Die Geschwindigkeit, die Lichter, die Musik und das Publikum schaffen einen Raum, um erwachsen zu werden.
Florian Rainer, *1982 Leoben; lebt und arbeitet in Wien; im Gespräch mit Peter Schreiner.
